Zuständigkeiten in Werne

Die technische Ausstattung der Sparkasse am 1.4.1986 war doch sehr verhalten. Außer den Dialogterminals in den Kassen, gab es in der Kreditabteilung und im Marktfolgebereich jeweils ein Abfrageterminal. Für die 1-Mann-Abteilung galt es jetzt bei Herrn Schütte Überzeugungsarbeit zu leisten und eine angemessene Technisierung anzustreben. Der PC XT war jetzt aktuell. Mit seinen 256 KB Hauptspeicher, 20 MB Plattenspeicher, 5 ¼ Zoll Diskettenlaufwerk (360 KB), Monochrom Bildschirm und 8-Nadeldrucker kostete er das Vermögen von über 15.000 DM. Für die Textverarbeitung wurde ein weiteres Gerät mit einem besseren Drucker benötigt. Die Kosten für die beiden Systeme lagen aber unter dem Preis, der sonst für das Textverarbeitungssystem hätte aufgewandt werden müssen. Die Programmierung auf dem PC war eine neue Herausforderung für mich und so konnte ich diverse Anwendungen für die Sparkasse entwickeln, die doch eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeuteten.

Waren die ersten PC noch autonom im Einsatz ergab sich schon bald die Erforder-nis, ein Netzwerk aufzubauen. Bei den ersten Einrichtungen gab es noch keine Vorgaben, so dass wir eine eigene Topologie mit den dazu passenden Komponenten aufgebaut haben. Wir haben fast alles ohne technische Unterstützung von Dienstleistern gemacht, weil wir auf dem Gebiet selbst fit waren.

Gemeinsam mit anderen Orgaleitern aus der Arbeiitsgemeinschaft Münsterland konnten wir in der nächsten Systemgeneration gute Gründe anführen, uns gegen die Empfehlung des Rechenzentrums zu stellen. Weder in der Verkabelungstechnik (Ethernet zu Token Ring) noch in der Wahl des Betriebssystems (DOS und Sinix, später OS2 zu Windows) sind wir von unserer Entscheidung abgewichen. Die Entscheidung war nicht ohne Risiko, da sehr viele Komponenten (vom Kabel über die Netzwerkkarte bis hin zu den Verteilern) so proprietär waren, dass nur mit einem entsprechenden Hardwaretausch der Wechsel möglich war. Wir haben sogar die Herausforderung angenommen, in einem Test in der damaligen BWS die Netzwerkfähigkeit unserer selbstgeschriebenen Anwendung KBS nachzuweisen. Der Dialogzugriff auf Bestandsdaten der KGI war dabei das absolute Highlight. Für die damalige Zeit war die Dialogintegration in eine PC-Anwendung noch etwas ganz Besonderes. In dieser Aufbruchphase habe ich für die Sparkasse etliche Programme verkaufen können. Der "Nischen-Herbert" aus dem unbeugsamen Dorf am Rande des Münsterlands war ziemlich bekannt, aber nicht überall gern gesehen, denn der einheitliche Standard des Rechenzentrums (vielfach die Empfehlung von IBM) hätte viel Diskussionen erspart.

Wir hatten aufs richtige Pferd gesetzt, denn heute sind die Technologien unserer Entscheidungen zum Standard geworden und wir haben der Sparkasse damit viele Tausende von DM bzw. Euro an Fehlentscheidungen erspart. Hier muss ich auch noch einmal deutlich einen Dank an den Vorstand aussprechen, der mir die freie Hand gelassen hat und meinen Empfehlungen gegen den Vorschlag des Rechen-zentrums, gefolgt ist.

Das umfassende Anwendungssystem SKISS war mittlerweile zur Standard-Bankenanwendung geworden und sollte jetzt getreu dem Motto "Nichts ist so be-ständig wie der Wechsel" in eine hochintegrierte fallabschließende Beratungsan-wendung überführt werden. Es zeichnete sich jedoch ab, dass das Nachfolgeprodukt OSP-Portal browserbasiert, bereits in den Startlöchern stand. Ich habe darum gekämpft, diesen Anwendungsschritt zu überspringen. Das Rechenzentrum hat uns massiv unter Druck gesetzt und damit gedroht Anwendungsteile nicht mehr in der "alten Welt" zur Verfügung zu stellen. Wie sich später bestätigte, war es nur eine reine politische Entscheidung, die aus den verschiedenen Fusionen der Rechenzentren resultierte. Für ca. 3 Monate haben wir eine Anwendung gehabt, die uns Umstellungsaufwand gekostet hat und vermeidbar gewesen wäre.

Die technologische aber auch die administrativen Anforderungen sind immer weiter gewachsen. Hinzu kamen Vorgaben des Gesetzgebers, der unter anderem auch hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit stellt und für unser bestehendes dezentrales Server-Rechenzentrum eine Backup-Funktion forderte. Wir standen jetzt vor der Entscheidung, ein Ausweich-Rechenzentrum zu installieren oder die bisher eigenständige technische Dienstleistung auszulagern. Es ist schwer, die Eigenständigkeit aufzugeben und sich ausschließlich dem Standard zuzuwenden. Aber irgendwann kommt immer der Zeitpunkt, wo die zentrale Entwicklung besser als die Eigenlösung wird. Die Umstellungsanforderungen auf das dezentrale Active Directory und die hohen Sicherheitsanforderung ließen es auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll erscheinen, den Schritt zur IT-Konsolidierung zu machen. Wenn es auch schwer fällt, sich von "liebgewordenen" Anwendungen zu trennen, so kann man sich nach Abwägung der institutsspezifischen Anforderungen auch für eine derartige Lösung entscheiden.

Die Zuwendung zu browserbasierenden Anwendungen macht den Einsatz von konventionellen PC entbehrlich. Am Arbeitsplatz sind nur noch geringen Leistungsanforderungen notwendig, da alles zentral abgewickelt wird und dezentrale Rechenleistung nicht mehr gefragt ist Damit hat sich der Kreislauf wieder geschlossen, der mit dem dummen Terminal und der zentralen Intelligenz am Anfang der Dialoganwendungen gestanden hat. Nur das Endgerät hat heute eine andere Technologie und wird demnächst als Baustein im Monitor zur Ver-fügung stehen. Gleichzeitig zeichnet sich aber auch ab, dass mit den mobilen Endgeräten eine neue Gerätegeneration mit noch stärkerem Leistungsumfang zur Verfügung steht. Neben der möglichen zentralen Datenspeicherung und dem permanenten online-Zugriff auf verteilte Datenbestände der unterschiedlichsten Anbieter wird das Arbeitswerkzeug wieder mobil. Der Kopierstift als Handwerkzeug des Bankkaufmanns ist jetzt das Smartphone. Was uns in den Science-Fiction-Filmen gezeigt wurde, hat sich in vielen Fällen schon überholt. Wer weiß, was und morgen alles erwartet.

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