Beruf

Verabschiedung

Nach 44 Jahren kam der Zeitpunkt, Abschied aus dem Berufsleben zu nehmen. Von mir selbst gewollt, allerdings erst nach verschiedenen zuerst vergeblichen Ansätzen, konnte ich am Weltspartag 2010 im Rahmen einer tollen (mehrstufigen) Feier Abschied von meiner Tätigkeit bei der Stadtsparkasse Werne nehmen. Fast 25 Jahre habe ich in Werne gearbeitet und hier einen tollen Arbeitsplatz vorgefunden, bei dem die Arbeit wirklich viel Spaß gemacht hat.

Verabschiedung
Neben der offiziellen Verabschiedung im Hotel Klosterblick, mit einem tollen Empfang, zog sich das Abschiednehmen auch an anderer Stelle noch etwas hin. Im sparkassen-eigenen Gästeraum, über den Dächern von Werne, hatte ich noch die Möglichkeit, mich von allen Kolleginnen und Kollegin der Sparkasse zu verabschieden.

Aber das war noch nicht genug. Auch im familiären Umfeld wurde mir zu Hause noch eine Feier geboten, die in einem etwas rustikaleren Umfeld stattfand. Hier wurde "Herberts Kiosk" eröffnet, weil ich immer davon gesprochen habe, für ausgewählte Samstage eine Samba-Bude mit Eintopf-Angebot zu eröffnen. Mal sehen, ob das noch etwas wird.

 

Neue Aufgaben bei smartGAS

So ganz ist das Berufsleben doch noch nicht zu Ende. Wenn man doch noch so halbwegs produktiv unterwegs sein kann und gewisse Herausforderungen gestellt werden, kann ich nicht ruhig dabei sitzen. 

Durch einen glücklichen Umstand wurde mein Wissen gefragt und so bin ich bei smartGAS in Heilbronn als Hilfskraft gelandet. Ich bin stolz darauf, ein wenig dazu beitragen zu können, dass Arbeitsabläufe in der Verwaltung effektiver abgewickelt werden können. 

Anwendungsentwicklung in Münster

Hier war die Aufgabenstellung ganz anders. Aber aufgrund meiner Ausbildung passte ich gut in den Anwendungsbereich für Dialoganwendungen. Schwerpunkte waren die KSB-Systeme wie GA und KAD, die Anfang der 80er Jahre einen rasanten Aufschwung nahmen. In der Zeit habe ich viele Beratungsgespräche in den verschiedensten Sparkasse geführt und die Technologien der verschiedenen Systeme vorgestellt. Die Präsentationen beschränkten sich nicht nur auf Westfalen. Bereits 1980 gab es eine Kooperation (besser gesagt eine stille Übernahme) zwischen dem hessischen und westfälischen Rechenzentrum. Die Übernahmen der Eigenanwender in die RZ-Anwendung wurden auch für Hessen betreut. 
Eine weitere grundlegende Entwicklung startete mit dem Aufbau von dezentralen Anwendungen für die computer unterstützte Sachbearbeitung. Die Maschinen für das distributed Dataprocessing mit den Systemen der 4300 Klasse kamen auf den Markt. Damit sollte eine neue Generation der Datenverarbeitung eingeläutet werden. Die Anwendungen standen zwar nur ganz rudimentär zur Verfügung, aber der Vertrieb von IBM drängte mit Macht auf die Entwicklung, da der Terminalmarkt im Kassenbereich gesättigt war und weitere Arbeitsplätze nur mit dem Angebot von Sachbearbeitungsunterstützung verkauft werden konnte. In meiner Aufgabenstellung als Leiter dezentrale Systeme war ich in die Verkaufsverhandlungen mit der IBM eingebunden und mir wurde ganz anders, als ein Rahmenvertrag über insgesamt 30 Maschinen mit einem durchschnittlichen Verkaufswert von 500.000 DM abgeschlossen wurde. Ich war mir nicht so sicher, ob zum Einen der Weg der richtige und zum anderen der Markt bei den Sparkassen gegeben war, zumal die Anwendungen noch lange nicht in der gewünschten Form vorhanden waren. Entwicklungstechnisch (von Seiten des RZ) war ich damals so ziemlich alleine unterwegs. In Arbeitskreisen aus Mitarbeitern des hessischen und westfälischen Verbands und teilweise Sparkassenvertretern, war es manchmal schwierig, organisatorischen Anforderungen mit technischen Möglichkeiten zu verbinden. In diese Zeit fällt die Entwicklung von personen- und vertragsbezogenen Datenbankanwendungen, die ihre erste Hochzeit mit der stufenweise Bereitstellung von SKISS fanden.
1985 hatte ich durch einen groß angelegten Belastungstest nachgewiesen, dass die dezentralen Maschinen für eine derartige Aufgabenstellung nicht geeignet waren. Die Responsezeiten für eine Dialogabwicklung war ab einer gewissen Größenordnung nicht mehr tragbar, so dass insbesondere für den Einsatz in den Großsparkassen mit einer Vielzahl von Beraterplätzen, ganz andere Leistungsklassen gefragt waren. Die Idee war richtig, aber der technische Weg erforderte ein ganz andere Basis.
In dieser Zeit hatte mich die Sparkasse Werne zu einem Beratungsgespräch angefordert. Es sollte eine automatisierte Textverarbeitung angeschafft werden und mein technischer Rat war gefragt. Das Thema war insofern etwas schwierig, da sich ab-zeichnete, dass Spezialmaschinen wie die IBM 6580 durch eine neue allround-Technologie abgelöst würde. Meine Empfehlung lautete daher abwarten, obwohl die Anforderungen vorhanden waren. Ganz überraschend traf mich am Schluss des Gesprächs die Frage, ob ich mir nicht vorstellen könnte, Orgaleiter in Werne zu werden. Umso überraschender war für mich ein unerwartetes Treffen mit Herrn Dresen nach ca. 6 Wochen freitagabends bei Bülhoff, als er mir offenbarte, dass er den Stellenplan geändert hätte und ich jetzt anfangen könnte. Das waren jetzt Neuigkeiten, für die ich meine Frau natürlich wachmachen musste. Nach einigen Überlegungen und Rechnungen (das Gehalt passte zwar immer noch nicht, aber die Fahrerei und die erwartete regelmäßige Arbeitszeit waren ganz wichtige Aspekte), sprachen dann für diesen Schritt, den ich bis heute nicht bereut habe.

Zuständigkeiten in Werne

Die technische Ausstattung der Sparkasse am 1.4.1986 war doch sehr verhalten. Außer den Dialogterminals in den Kassen, gab es in der Kreditabteilung und im Marktfolgebereich jeweils ein Abfrageterminal. Für die 1-Mann-Abteilung galt es jetzt bei Herrn Schütte Überzeugungsarbeit zu leisten und eine angemessene Technisierung anzustreben. Der PC XT war jetzt aktuell. Mit seinen 256 KB Hauptspeicher, 20 MB Plattenspeicher, 5 ¼ Zoll Diskettenlaufwerk (360 KB), Monochrom Bildschirm und 8-Nadeldrucker kostete er das Vermögen von über 15.000 DM. Für die Textverarbeitung wurde ein weiteres Gerät mit einem besseren Drucker benötigt. Die Kosten für die beiden Systeme lagen aber unter dem Preis, der sonst für das Textverarbeitungssystem hätte aufgewandt werden müssen. Die Programmierung auf dem PC war eine neue Herausforderung für mich und so konnte ich diverse Anwendungen für die Sparkasse entwickeln, die doch eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeuteten.

Waren die ersten PC noch autonom im Einsatz ergab sich schon bald die Erforder-nis, ein Netzwerk aufzubauen. Bei den ersten Einrichtungen gab es noch keine Vorgaben, so dass wir eine eigene Topologie mit den dazu passenden Komponenten aufgebaut haben. Wir haben fast alles ohne technische Unterstützung von Dienstleistern gemacht, weil wir auf dem Gebiet selbst fit waren.

Gemeinsam mit anderen Orgaleitern aus der Arbeiitsgemeinschaft Münsterland konnten wir in der nächsten Systemgeneration gute Gründe anführen, uns gegen die Empfehlung des Rechenzentrums zu stellen. Weder in der Verkabelungstechnik (Ethernet zu Token Ring) noch in der Wahl des Betriebssystems (DOS und Sinix, später OS2 zu Windows) sind wir von unserer Entscheidung abgewichen. Die Entscheidung war nicht ohne Risiko, da sehr viele Komponenten (vom Kabel über die Netzwerkkarte bis hin zu den Verteilern) so proprietär waren, dass nur mit einem entsprechenden Hardwaretausch der Wechsel möglich war. Wir haben sogar die Herausforderung angenommen, in einem Test in der damaligen BWS die Netzwerkfähigkeit unserer selbstgeschriebenen Anwendung KBS nachzuweisen. Der Dialogzugriff auf Bestandsdaten der KGI war dabei das absolute Highlight. Für die damalige Zeit war die Dialogintegration in eine PC-Anwendung noch etwas ganz Besonderes. In dieser Aufbruchphase habe ich für die Sparkasse etliche Programme verkaufen können. Der "Nischen-Herbert" aus dem unbeugsamen Dorf am Rande des Münsterlands war ziemlich bekannt, aber nicht überall gern gesehen, denn der einheitliche Standard des Rechenzentrums (vielfach die Empfehlung von IBM) hätte viel Diskussionen erspart.

Wir hatten aufs richtige Pferd gesetzt, denn heute sind die Technologien unserer Entscheidungen zum Standard geworden und wir haben der Sparkasse damit viele Tausende von DM bzw. Euro an Fehlentscheidungen erspart. Hier muss ich auch noch einmal deutlich einen Dank an den Vorstand aussprechen, der mir die freie Hand gelassen hat und meinen Empfehlungen gegen den Vorschlag des Rechen-zentrums, gefolgt ist.

Das umfassende Anwendungssystem SKISS war mittlerweile zur Standard-Bankenanwendung geworden und sollte jetzt getreu dem Motto "Nichts ist so be-ständig wie der Wechsel" in eine hochintegrierte fallabschließende Beratungsan-wendung überführt werden. Es zeichnete sich jedoch ab, dass das Nachfolgeprodukt OSP-Portal browserbasiert, bereits in den Startlöchern stand. Ich habe darum gekämpft, diesen Anwendungsschritt zu überspringen. Das Rechenzentrum hat uns massiv unter Druck gesetzt und damit gedroht Anwendungsteile nicht mehr in der "alten Welt" zur Verfügung zu stellen. Wie sich später bestätigte, war es nur eine reine politische Entscheidung, die aus den verschiedenen Fusionen der Rechenzentren resultierte. Für ca. 3 Monate haben wir eine Anwendung gehabt, die uns Umstellungsaufwand gekostet hat und vermeidbar gewesen wäre.

Die technologische aber auch die administrativen Anforderungen sind immer weiter gewachsen. Hinzu kamen Vorgaben des Gesetzgebers, der unter anderem auch hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit stellt und für unser bestehendes dezentrales Server-Rechenzentrum eine Backup-Funktion forderte. Wir standen jetzt vor der Entscheidung, ein Ausweich-Rechenzentrum zu installieren oder die bisher eigenständige technische Dienstleistung auszulagern. Es ist schwer, die Eigenständigkeit aufzugeben und sich ausschließlich dem Standard zuzuwenden. Aber irgendwann kommt immer der Zeitpunkt, wo die zentrale Entwicklung besser als die Eigenlösung wird. Die Umstellungsanforderungen auf das dezentrale Active Directory und die hohen Sicherheitsanforderung ließen es auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll erscheinen, den Schritt zur IT-Konsolidierung zu machen. Wenn es auch schwer fällt, sich von "liebgewordenen" Anwendungen zu trennen, so kann man sich nach Abwägung der institutsspezifischen Anforderungen auch für eine derartige Lösung entscheiden.

Die Zuwendung zu browserbasierenden Anwendungen macht den Einsatz von konventionellen PC entbehrlich. Am Arbeitsplatz sind nur noch geringen Leistungsanforderungen notwendig, da alles zentral abgewickelt wird und dezentrale Rechenleistung nicht mehr gefragt ist Damit hat sich der Kreislauf wieder geschlossen, der mit dem dummen Terminal und der zentralen Intelligenz am Anfang der Dialoganwendungen gestanden hat. Nur das Endgerät hat heute eine andere Technologie und wird demnächst als Baustein im Monitor zur Ver-fügung stehen. Gleichzeitig zeichnet sich aber auch ab, dass mit den mobilen Endgeräten eine neue Gerätegeneration mit noch stärkerem Leistungsumfang zur Verfügung steht. Neben der möglichen zentralen Datenspeicherung und dem permanenten online-Zugriff auf verteilte Datenbestände der unterschiedlichsten Anbieter wird das Arbeitswerkzeug wieder mobil. Der Kopierstift als Handwerkzeug des Bankkaufmanns ist jetzt das Smartphone. Was uns in den Science-Fiction-Filmen gezeigt wurde, hat sich in vielen Fällen schon überholt. Wer weiß, was und morgen alles erwartet.

Zwischenspiel in Bonn

Nach diesem großen Projekt wechselte ich den Arbeitgeber und wollte mich in der großen Welt umsehen. Der DSGV in Bonn hatte eine Referentenstelle ausgeschrieben, die sich hauptsächlich mit der technologischen Entwicklung im Sparkassenbereich beschäftigen sollte. Bildschirmtext als Vorläufer des online-Banking war derzeit eine der Herausforderungen. Auch sollte von dieser Stelle die Entwicklung der damals ca. 15 Rechenzentren und Buchungsgemeinschaften koordiniert werden. Den Geldautomaten gab es gerade ganz neu und es war hochgradig fragwürdig, ob sich dieses System überhaupt durchsetzen sollte. Eine meiner ersten Aufgaben bestand darin eine Studie zu analysieren und daraus eine Empfehlung für Deutschland zu entwickeln. Meine wochenlange Arbeit mündete in einer 30-seitigen Ausarbeitung, die dann von meinem Chef zu einer Kurznotiz in den Betriebswirtschaftlichen Blättern verarbeitet wurde. Dies war nicht der Grund zum erneuten Wechsel, aber die Arbeit in Bonn hat mir nicht zugesagt und die Trennung von der Familie gab schließlich den Ausschlag mich dem Rechenzentrum in Münster (BWS) zu zu wenden.

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